Praktikum im Kindergarten Familiengarten

Praktikum im Kindergarten Familiengarten

Tagesablauf

  • Kinder können bis 10:30 Uhr gebracht werden
  • Frühstück von 08:00 bis 8:45
  • Morgenkreis um 08:45
  • Die meisten Kindern werden vorher gebracht
  • Anschließend freies Spiel in einem der Zimmer
  • Obstzeit um 10:00
  • Mittagessen von 11:15 bis 12:00
  • Mittagskreis um 12:00
  • Schlafenszeit für die kleinen um 12 Uhr
  • Mittagsangebot für die großen um 12:15
  • Spielen im Garten ab 14:00
  • Kinder werden abgeholt

Konzept der Kita

Die Kita ist ein Integrationskindergarten, das heißt, es gibt auch Integrationskinder, die zusätzliche Unterstützung bekommen.

Die untere Etage ist für Kinder unter drei Jahren, die obere Etage besuchen die älteren Kinder.
Es handelt sich um ein offenes Konzept, denn die Kinder wählen selbst aus, in welchem Raum sie spielen möchten.
Manchmal besuchen kleine Kinder die Großen, und manchmal gehen große Kinder zu den Kleineren. Diese Dynamiken zu beobachten war besonders spannend. Viele der großen Kinder, die sonst eher wild und aufgedreht sind, zeigen im Umgang mit den Kleinen überraschend viel Einfühlungsvermögen.

Räume

Untere Etage

Bei den Kleinen gibt es einen großen Spielraum mit Eisenbahn, Duplo, Holzbausteinen, Fahrzeugen und einer hölzernen Hochebene. Auf dieser Hochebene steht ein Sofa, das als ruhiger Leseort genutzt wird.
Daneben befindet sich das kleine Kinderrestaurant, also der Essensraum.
Sehr beliebt ist der Bewegungsraum, in dem Matten und große Schaumstoffbausteine liegen. Zusammen mit den Kindern habe ich dort eine Höhle gebaut.
Außerdem gibt es einen kleinen und einen großen Schlafraum, in denen die jüngeren Kinder ihren Mittagsschlaf machen. Wenn ältere Kinder müde sind, dürfen sie sich spontan dazu legen.

Obere Etage

Im Bauzimmer gibt es eine Holz-Eisenbahn, Holzbausteine, Autos, eine Kugelbahn, Lego, Playmobil, Steckerspiele und vieles mehr.

Das Bauzimmer

Mein Lieblingsraum war das Gestaltungszimmer. Der große Tisch lädt dazu ein, gemeinsam mit den Kindern kreative Ideen umzusetzen. Besonders spannend ist der Leuchttisch, dessen Oberfläche in verschiedenen Farben leuchtet. Mit durchsichtigen Bausteinen entstehen darauf tolle Lichteffekte.

Das Gestaltungszimmer

Im Rollenspielzimmer können die Kinder sich verkleiden, in der Spielküche spielen, sich etwas vorlesen lassen, sich in die Höhle zurückziehen, Hörspiele anhören oder ein Tiptoi-Buch anschauen.
Hier habe ich viel vorgelesen und gemeinsam mit den Kindern Bücher betrachtet. Meist beschäftigen sie sich dort selbst. Es ist allerdings der Raum, in dem es am häufigsten Konflikte gibt. Oft möchten viele Kinder gleichzeitig dort spielen, und deshalb kommt es häufiger zu Streit um Spielzeug oder bestimmte Plätze.
Ich habe dort besonders häufig Streit geschlichtet, und das hat gut funktioniert.

Freitags findet für die Großen Kinozeit statt. Eine Erzieherin stellt einen Beamer auf, und die Kinder setzen sich auf Kissen oder Stühle. Einmal gab es sogar Popcorn dazu.

Das Rollenspielzimmer

Oben befindet sich außerdem das große Kinderrestaurant, in dem die Mahlzeiten stattfinden.

Das große Kinderrestaurant

Mittagskreis

Eine Erzieherin leitet eine kleinere Gruppe.
Wir haben zusammen Sing- und Klatschspiele gemacht.
Während einer Themenwoche zu Erntedank haben die Kinder mit verbundenen Augen Obst und Gemüse ertasten und erschmecken sollen.

Am Ende jedes Mittagskreises erhält jedes Kind einen Muggelstein, also einen kleinen Glasstein. Dieser Stein wird anschließend auf ein Raumsymbol gelegt, damit das Kind leichter entscheiden kann, was es als Nächstes machen möchte.

Im Gestaltungsraum gibt es mittags zusätzlich ein Bastelangebot.

die Kinder haben viele Bastelmaterialien

Highlights

Besonders viel Freude hat mir die Arbeit im Gestaltungszimmer gemacht. Dort konnte ich mit den Kindern gemeinsame Projekte umsetzen oder mir einfach anschauen, was sie gebastelt oder gemalt haben.
Ich habe verschiedene Steckerperlenmotive mit den Kindern gelegt und für sie gebügelt. Außerdem haben wir zusammen gezeichnet und gebastelt. Meine Papierflieger waren sehr beliebt, und ich konnte immer wieder neue Modelle ausprobieren.

Im Gestaltungszimmer konnte ich mich auch gut mit den Kindern unterhalten. Die ruhige Arbeitsatmosphäre und die Möglichkeit, sich nebenbei zu beschäftigen, bieten perfekte Voraussetzungen. Gesprächsthemen waren zum Beispiel Pokémon, Harry Potter, Avatar, Taylor Swift, BlackPink, Geburtstage, Skifahren, Tanten und Bauernhöfe.

Auch die Nestschaukel im Garten hat mir sehr gut gefallen. Dort konnte ich besonders gut mit Kindern ins Gespräch kommen, die sonst in ihren Spielwelten mit Freund*innen abtauchen.

Das habe ich gelernt

Der Einblick in den Alltag von Erzieher*innen war für mich sehr wertvoll. Die vier Wochen haben mir gezeigt, dass ich auch in Stresssituationen gut mit Kindern umgehen kann.

Die Anzahl der Kinder, die ich gleichzeitig betreut habe, war eine neue Herausforderung. Ich konnte daran deutlich wachsen.
Aufgrund von Personalmangel war ich häufiger allein mit größeren Gruppen in einem Raum, und dabei habe ich gelernt, den Überblick zu behalten, Bedürfnisse schnell zu erkennen und Konflikte früh zu bemerken. Dadurch konnte ich viele Situationen entschärfen, bevor sie eskaliert sind.

Beim Streitschlichten habe ich mit den Kindern auf Augenhöhe gesprochen. Je nach Situation habe ich eine Entschuldigung vorgeschlagen, mit den Kindern besprochen, was nicht in Ordnung war, und in schwierigeren Fällen eine Erzieherin oder einen Erzieher zur Hilfe geholt.

Jeden Tag habe ich…

  • mindestens fünfmal einem Kind die Nase geputzt
  • mehrere Konflikte gelöst
  • Kinder getröstet
  • dauerhaft auf die Sicherheit der Kinder geachtet (das ist bei so vielen Kindern und Personalmangel manchmal garnicht so leicht)
  • Interessante Gespräche mit den Kindern geführt
  • sehr viel mit den Kindern gespielt

Job der Springer

In der 2. Woche war eine Springerin in der Kita eingesetzt. Das heißt eine Erzieherin, die jede Woche in einer anderen Kita aushilft. Ich habe mich etwas mit ihr über ihren Beruf unterhalten, was sehr spannend war. Sie meinte, Springer zu sein sei das beste und ihr absoluter Traumjob, was mich sehr überraschte. Schließlich ist es schwer eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen und von den Kindern angenommen zu werden, wenn man jeweils nur eine Woche in der jeweiligen Einrichtung verbringt. Das alles stimmt zwar, sagte sie, jedoch würden so auch die nervigen Elterngespräche wegfallen und Verwaltungsaufgaben muss sie nicht übernehmen. Zudem sei die Rolle der Springerin sehr wichtig um Missstände in Kitas zu entdecken und zu beheben, denn durch ihren ständig wechselnden Einsatz in etwa einem Dutzend Kitas, fallen ihr Unterschiede in der Qualität der Abläufe auf, die von dem Stammpersonal bisher nicht hinterfragt wurden. Am Anfang sei es schwierig für sie gewesen, Missstände anzusprechen. Das Zugeständnis, etwas falsch gemacht zu haben, gegenüber einer neuen Springerin, die nur wenige Tage in der Einrichtung war, ist schwer zu erbringen. Es ist also wichtig für Springerinnen, ein respektvolles Verhältnis zu den Erzieherinnen in den Kitas aufzubauen.

Mit der Zeit wuchs aber das Vertrauensverhältnis, und so konnte sie mit den Kindern Angebote zu verschiedenen Tabu-Themen durchführen, die oft nicht nativ von den Kitas behandelt werden. Ihr größter Erfolg sei ein Workshop zum Thema Gewalt gegenüber Menschen gewesen. Ein Kind erzählte später in der Kita, dass dessen Vater seine/ihre Mutter schlagen würde, woraufhin dieser Fall aufgedeckt und ein Gerichtsverfahren gegen ihn eingeleitet wurde. Mutter und Kind seien gemeinsam in eine andere Stadt gezogen. Diese Geschichte hat mich sehr schockiert und nachdenklich gemacht. Nie hätte ich gedacht, dass die Arbeit von Springerinnen so bahnbrechend sein könnte. Neben ihrer eigentlichen Funktion den Personalmangel in Kitas abzufedern, schlüpft sie in die Rolle einer Sozialarbeiterin bzw. Kita-Polizistin, die Missstände und sogar Straftaten aufgedeckt und den Fortschritt der Kitas fördert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert